Fotokunst in Prag: Drei zufällige Entdeckungen

Ich gestehe: Noch vor einer Woche hätte ich keinen einzigen tschechischen Fotografen nennen können. Nun gleich drei! Und alle lernte ich zufällig kennen, quasi im Vorbeigehen, eben als Touristin. Die Fotografen sind: ein junger Naturwissenschaftler, der 1976 verstorbene "Poet von Prag" und ein weltbekannter Jugendstilkünstler. Sie heißen Petr Jan Juračka, Josef Sudek und Alfons Mucha.

 

 

Entdeckung auf der Kleinseite

 

Die Nikon Photo Gallery zeigt derzeit Natur- und Landschaftsaufnahmen von Petr Jan Juračka, Titel der Ausstellung: „Vzpomínky na Svět“ (Erinnerungen an die Welt).

 

Juračka, Jahrgang 1985, ist Hydrobiologe an der Karls-Universität in Prag und gleichzeitig als Fotograf beruflich tätig. Er konnte als Kleinkind kaum sehen, Ärzte prophezeiten den völligen Verlust seiner Sehkraft. Mit viel Unterstützung seiner Eltern und professioneller Helfer sowie jeder Menge Augentraining gelang ihm die Heilung. Auf seiner Webseite schreibt er: „Since the times my vision went good I enjoy every detail, every color and I admire any type of light.“

 

Nicht nur die Qualität der ausgestellten Fotos beeindruckt, auch die Vielfalt der Fotospots, die vom Baikalsee, über Hochgebirge in China und Pakistan, Grönland, bis zum Kilimandscharo reichen. Sehr sympathisch: Neben Fotos aus entfernten Gegenden sind mehrere Aufnahmen seiner tschechischen Heimat zu sehen. Noch ein Plus: Der Fotograf liefert zu jedem der ausgestellten Fotos eine kleine Anekdote – wie beispielsweise zu dem Foto, das eine Landstraße auf dem Weg nach Prag zeigt inmitten von Wiesen, Feldern und blühenden Obstbäumen. Juračka habe seiner Begleiterin gesagt, dass sie sich nun wahrscheinlich zu ihrem Theaterbesuch verspäte. Aber er müsse anhalten, um zu fotografieren.

 

Die Nikon Photo Gallery, Újezd 19, präsentiert im ungefähr zweimonatlichen Wechsel Ausstellungen vorwiegend tschechischer Fotografen. Der Eintritt ist frei.

 

Nachsatz: Auch die Nikon Photo Gallery ist der modernen Technik ausgeliefert. - Das Ansichtskartenset mit einer Auswahl der ausgestellten Fotos konnte ich nicht kaufen, da das elektronische Kassensystem nicht funktionierte.

 

 

Entdeckung auf dem Burgberg

 

Die Josef Sudek Galerie (tschechisch: Galerie Josefa Sudka) ist eine Einrichtung des Kunstgewerbemuseums. Sie befindet sich auf dem Hradschin, im Haus „U Luny“, Úvoz 24. Die Galerie ist winzig und der Eingang leicht zu übersehen.

 

Hier lebte von 1959 bis zu seinem Tod im Jahr 1976 der tschechische Fotograf Josef Sudek.

 

Die Galerie zeigt wechselnde Ausstellungen mit Fotos von Josef Sudek sowie anderen tschechischen Fotokünstlern.

 

Josef Sudek, geboren 1896, absolvierte eine Buchbinderlehre in Prag und begann in dieser Zeit zu fotografieren. Er wurde im ersten Weltkrieg Krieg als Soldat verwundet und verlor seinen rechten Arm.

 

Viele Aufnahmen machte Sudek mit großformatigen Kameras, so dass keine Vergrößerungen erforderlich waren.

 

Die Anzahl der in der Galerie ausgestellten Bilder ist sehr klein, und der Eintritt von 20 Kronen (weniger als 1 Euro) ist es auch. Daher betrachte man den Besuch dieser Galerie dann eher als Anregung, sich weitergehend mit tschechischer Fotokunst zu befassen.

 

Noch bis zum 21. Mai 2017 läuft die Ausstellung: „Sonja Bullaty & Josef Sudek“.

 

Bullaty, ursprünglich eine Schülerin Sudeks, machte seine Werke nach ihrer Übersiedlung in die USA dort bekannt. Sehr berührend ist eine Fotografie, die Sonja Bullaty von Josef Sudek an seinem 80. Geburtstag in dessen Wohnhaus aufnahm – nur wenige Monate vor seinem Tod.

 

Neben der Josef Sudek Galerie kann man in Prag auch sein Atelier besuchen (Kleinseite, Újezd 30). Dabei handelt es sich um eine Nachbildung des durch einen Brand im Jahre 1985 zerstörten Original-Holzhäuschens. Dort finden ebenfalls Fotoausstellungen statt.

 

 

Entdeckung in der Altstadt

 

Der Besuch des Mucha-Museums war geplant. Nicht geplant war die Entdeckung des Fotografen Mucha.

 

Alfons Mucha (1860-1939) ist als namhafter Vertreter des Jugendstils berühmt und begründete seinen eigenen Stil der Gestaltung von Werbe- und Theaterplakaten.

 

Das Museum gibt einen Überblick über Muchas künstlerisches Schaffen, wozu neben Plakaten und Plakatentwürfen auch Plastiken und Gemälde gehören. Daneben sind einige seiner Atelierfotos zu sehen - als Reproduktionen der originalen Glasplatten. Dabei handelt es sich vorwiegend um Aufnahmen von Modellen, die für Muchas Plakatentwürfe posierten. Aber es gibt auch Fotos von Freunden – beispielsweise Paul Gauguin am Harmonium in Muchas Pariser Atelier sitzend - mit nackten Beinen. Und auch ein Selbstporträt Muchas als Doppelbelichtung ist ausgestellt.

 

Auch lohnt es sich durchaus, die ungefähr 30-minütige Filmdokumentation über Mucha anzuschauen.

 

Das Mucha-Museum befindet sich in der Prager Altstadt, Panská 7. Der Eintritt beträgt 240 Kronen.

 

 

Internet-Links

 

Die Nikon Photo Galerie Prag: www.nikonphotogallery.cz

Der Fotograf Petr Jan Juračka: petr.juracka.eu

Das Kunstgewerbemuseum Prag: www.upm.cz

Das Atelier Josef Sudeks: www.sudek-atelier.cz

Über Josef Sudek: www.sensunic.net/?p=2103 und www.sensunic.net/?p=10520

Das Mucha-Museum Prag: www.mucha.cz